Visumsverlängerung in China – Ein Stück in vier Akten

AKT I: Der heutige Tag fing richtig schön an. Die Sonne schien, ein paar kleine Wolken waren am blauen Himmel zu sehen und die Temperaturen waren mit 28°C für Guangzhou richtig angenehm. Dann ging es mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Shenzhen, zu meiner neuen Arbeitsstelle. 3,5 Stunden dauerte es bis ich das Büro erreichte. Die Zugfahrt war mit knapp 1:10 Stunden recht fix vorbei. Doch dann verbrachte ich noch einmal so viel Zeit in der U-Bahn in Shenzhen und saß anschließend 40 Minuten im Taxi. Kein Problem, dachte ich mir, beim ersten Mal kennt man sich ja noch nicht so genau aus. Im Büro angekommen ging es direkt zur Visastelle in Guangzhou. Carol, von meiner Firma, hatte bereits sämtliche Unterlagen vorbereitet um eine schnelle Bearbeitung zu ermöglichen, doch plötzlich fragte die Sachbearbeiterin nach dem Abschlusszeugnis meiner Chinesischen Universität.

Weder Carol noch ich hatten jemals davon gehört, dass es ich so etwas hätte bekommen müssen. Dann stellt sich raus: Neue Richtlinie, seit Juli 2011 gültig. Verdammt! In meiner Fakultät angerufen: Alle im Urlaub. Panik! Anschließend versuchte ich jemanden aus dem Studienbüro für Internationale Studenten auf seiner Privatnummer zu erreichen. Diesen störte ich scheinbar bei seinem Urlaub (sorry Eric!), allerdings konnte er mir die Nummer einer Sachbearbeiterin geben, die sich um Dinge wie Abschlusszeugnisse kümmert. Umgehend dort angerufen, bekam ich die Zusicherung, dass man das alles bis morgen erledigt hätte. Es gab allerdings noch zwei weitere Hiobsbotschaften: 1. Da mein altes Visum in Guangzhou beantragt wurde, kann es auch nur dort verlängert werden und 2. Da ich jetzt einen neuen Reisepass inklusive neuer Reisepassnummer besaß musste ich mich noch einmal polizeilich registrieren lassen.

Also ging es abends, nach noch nicht einmal drei Stunden in Shenzhen, zurück nach Guangzhou. Der Tag war gelaufen. Ich hatte noch nicht einmal Zeit mein neues Apartment zu sehen und ein Taifun kam auf. Den Regenschirm hatte ich natürlich im Koffer in Shenzhen gelassen. Aber naja, „morgen wird sich ja alles klären“, so dachte ich jedenfalls…

AKT II: Um 9:00 Uhr morgens ging es los zur Polizeistation um mich dort registrieren zu lassen. Mit dem neuen Reisepass im Gepäck, sowie einer Kopie des Mietvertrages und der Chinesischen ID des Vermieters. Blöd war nur, dass die zuständige Polizeistation umgezogen war. Also erst einmal nach der neuen Adresse erkundigt, lange rum gesucht und dann nach zwei Stunden auch endlich gefunden.

Doch was durfte ich erfahren? „Unser Computersystem ist funktioniert momentan leider noch nicht. Kommen sie doch einfach morgen wieder. VIELLEICHT funktioniert es ja dann.“ Naja, kann man halt nichts machen. Also ging es zur Uni um das Abschlusszeugnis neue Passbilder abzuholen. Abends haben Sina, Lu und ich es uns wenigstens noch am Pool ein bisschen gemütlich gemacht.

AKT III: Zuerst ging es zum Freund und Helfer: Der Polizei. Deren Computersystem funktionierte mittlerweile endlich und die Registrierung lief problemlos ab. Also dachten wir uns, auf geht’s zum Visa Office. Dort angekommen wurde unser Abschlusszeugnis nicht akzeptiert, da auf diesem nicht eindeutig ersichtlich war, dass unser Studium in Guangzhou abgeschlossen ist. Schöne Bescherung… Nach ein paar Telefonaten mit der GDUFS, meiner Uni hier, bekamen wir allerdings zugesichert, dass man jetzt ein richtiges(!?!?!?!) Abschlusszeugnis vorbereiten würde.  Warum denn bitte nicht gleich so…? Also wieder zurück zur Universität gefahren, wo wir anschließend die fehlenden Unterlagen erhielten. An dieser Stelle muss man der Belegschaft, insbesondere Joy, ein großes Lob aussprechen. Sie griff uns mehr als nur unter die Arme.  Danke schön an dieser Stelle noch einmal. Nun hatten wir alle Unterlagen zusammen. Ich fühlte mich ein wenig wie in irgendeinem Fantasyroman in welchem der Held, durch dunkle Täler muss um irgendwelche Reliquien zu finden um letztendlich einen Fluch zu bannen. Sollten wir es wirklich geschafft haben?

AKT IV: Der Tag der Abrechnung und die Stunde der Wahrheit. Punkt 9 Uhr Stand ich im Visaoffice. Alle Unterlagen zur Hand. Alle notwendigen Stempel auf den schier endlosen Formularen und dann geschah das Unglaubliche: Mein Visumsantrag wurde sorgfältig beäugt und schließlich akzeptiert. In einer Woche könnte ich mein Visum abholen,  sagte man mir und ich konnte es kaum fassen. Vier Tage voller hin- und her Fahrerei, bangen, hoffen und wütendem Grollen. Es war geschafft und ich konnte endlich nach Shenzhen fahren um dort das erste Mal meine Wohnung zu begutachten :)

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One Response to “Visumsverlängerung in China – Ein Stück in vier Akten”

  1. China Telecom… *grummel* « Koteshi's Castle Says:

    [...] zu kündigen wird umgehend die Leitung gekappt. Doof wenn man zwischen Guangzhou und Shenzhen wegen des Visums rumtingelt und eventuell noch ein paar Dinge im Internet recherchieren muss (Zugabfahrtszeiten, [...]

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